Mitte November hatten wir, von Malta aus kommend, in Hammamet (70km südlich von Tunis) eingecheckt. Port Yasemin Hammamet ließ sich problemlos über Navily buchen. Die Begrüßung war freundlich, das Einklarieren bei der Polizei problemlos, aber der Zoll wollte sich nicht nur das Schiff ansehen, sondern fragte auch ungeniert nach ‚Geschenken‘. Eine Mini-Flaschen Killepitsch, 2cl, wollten sie dann aber doch nicht annehmen. So sind wir dann einigermaßen gesichtswahrend aus der Nummer raus gekommen.
Der Hafen ist wohl 2001 erbaut worden, um eine künstliche Insel herum, auf der Wohnungen und Restaurants waren. ‚Waren‘, weil seit der Finanzkrise 2008 das Meiste leer steht, es hat den Charme eines Lost Place. Das erstreckt sich leider auch auf die Sanitäranlagen, die zwar sauber, aber leider auch etwas heruntergekommen sind. Ein paar Haken in der Wand, um mal ein Handtuch oder eine Tasche aufzuhängen, würden schon helfen.
Die vier Stege, an denen die größeren Boote liegen, sind nur mit einem Chip zugänglich und gut geschützt. Wir lagen am sogenannten ‚Hammerhead‘, vor Kopf des letzten Steges. Die Crew des Hafens checkt auch regelmäßig die Boote, ob die Leinen in Ordnung sind. Im Winter gab es einen schweren Südost-Sturm, bei dem wohl im Malta Channel Wellen bis 16m gemessen wurden – Rekord! In Hammamet hat es einige Strandbuden weggespült, ein paar kleinere Motorboote sind im Hafen umgeschlagen, aber sonst gab es keine Schäden.
Yasemine liegt südlich von Hammamet und ist sehr auf Tourismus getrimmt – wenn auch nicht gerade im Winter. Mitte Februar bis Mitte März war Ramadan, und das ist halt etwas spaßbefreit da unten. Für uns Ungläubige gab es zwar keine Einschränkungen – wir konnten uns trotzdem zum Kaffee oder Orangensaft treffen – aber einige Lokale wie der Biergarten waren geschlossen. Die Rettung war das ‚Rovers Return‘, ein englischer Pub, wo es zu jeder Zeit ein Bier und Sonntags den Sunday Roast gab.
Die Winterlieger-Community ist sehr aktiv, mit eigener WhatsApp-Gruppe und einem Event-Plan: Montag Morgen Treff im Cafe Medina, Mittwochs Quiz-Night, Donnerstags Poker, und zwischendurch immer mal Rugby schauen. Alles sehr englischsprachig mit allen möglichen Dialekten (AUS, NZL, US, Schottland, Wales, Irland, usw.), ich bin mir nicht sicher ob es noch weitere Deutsche da gab. Bei der Happy Hour Freitags Abends im Hotel Marina Palace trifft sich alles, inklusive Hafenmeister und Werftarbeiter.
Anfang Februar ging es in die lokale Werft. Die COOGOR passte saugend in die Kranbox, die Boote werden auf Holzblöcken aufgepallt. Sieht abenteuerlich aus, hält aber.
Da ich das Antifoulingsystem auf Coppercoat umstellen wollte, musste das Boot komplett abgeschliffen werden. Damit das Kupfer nicht mit den Borddurchlässen (für Kühlwasser, Water Maker und Generator) aus Messing reagiert wurden diese auch gegen Trudesign (Kunststoff) getauscht, was ich im Wesentlichen selbst gemacht hatte.
Wenn ich diese Werft mit Tanger vergleiche ist es ein Drecksloch. An allen Ecken und Enden liegt Müll herum, es fehlen selbst rudimentäre Werkzeuge wie eine Farbwanne (Rollen hatte ich zum Glück mitgebracht) oder Sikaflex zum Dichten. Und wenn man die Farbe nicht sauber auf der Rolle verteilen kann, sondern nur auf den Rumpf klatscht, werden die Schichten etwas dick. Bei normalem Antifouling ist das egal, bei Coppercoat nicht. Also stand ich immer hinter den Leuten und habe ‚dünne Schichten‘ gepredigt, geholfen hat es nicht viel.
Nach dem Aushärten muss Coppercoat aktiviert, also dünn angeschliffen werden, um das Kupfer in der Epoxymatrix frei zu legen. Da hatte der Werftchef schon ein Zusatzeinkommen für diese Arbeit gewittert, aber ich habs ins Angebot mit rein schreiben lassen. Pech gehabt.
Die Politur war auch eher auf Anfängerniveau, im 2. Anlauf, mit neuen Polierscheiben, war es dann OK. Angesichts des Preises kann man die Werft jedenfalls nicht weiter empfehlen, auch wenn einige Mitarbeiter durchaus Ahnung haben (und Dir dann ihre Dienste außerhalb der Werft anbieten).
Ende Februar ging es wieder ins Wasser, nicht ohne leichte Schäden: Auf der Backbordseite, die ich vom Steuerstand aus nicht sehen konnte, hatte sich ein Fender hoch geschoben…ich habs kratzen gehört, aber da war es zu spät. Besagter Mitarbeiter hat das dann herausgeschliffen und poliert.
Dann gab es fast nur noch das Problem, dass der Windsensor im Mast mal wieder den Geist aufgegeben hat. Natürlich gerade nach der Garantiezeit. Der Dritte in weniger als drei Jahren musste her, nur bekommt man sowas in Tunesien nicht. Die Lösung…nach Montana/USA liefern lassen, wo Baha, ein anderer Winterlieger, gerade war, und der hat ihn dann mitgebracht.
Der Segelmacher in Hammamet, alle nennen ihn Maus, hatte auch viel Arbeit: Sonnenschutz für das Zelt hinten, Chaps für das Beiboot, Verstärkung für das neue Bimini (das war noch auf Garantie). Saubere Arbeit für günstiges Geld.
Zwischendurch hatten wir noch eine Tour in die Wüste unternommen – Das Amphitheater in El Djem, Douz, Chott el-djerid, Matmata, der Star-Wars Drehort Mos Espa, Oase Chebika.. viele Orte die ich in den 1990er Jahren mit Judith zusammen schon besucht hatte. Diesmal als geführte Tour, die interessant, aber etwas viel Fahrerei für 2 Tage war (ca. 1100 km).
Am 19. März wollten wir dann nach Malta ablegen. Zunächst wird nochmal getankt (0,59€ / Liter Diesel), dann steht die Polizei und Zoll Prozedur an. Und da meinte die Zöllnerin auf einmal, sie wolle die beiden E-Scooter und das Fahrrad konfiszieren, ‚weil sie bei der Einreise nicht angegeben wurden‘. Hatte keiner nach gefragt (nur nach Elektronik), aber jeder beim Einklarieren gesehen. Langes Hin- und Her-Gerede, dann kam die Frage auf, wieviel Bargeld wir denn noch hätten, denn die Ausfuhr von Bargeld wäre strengstens verboten. Ich hatte noch so 80 Dinar (weniger als 30€), die haben sie dann einkassiert und es wurde nicht mehr über E-Scooter gesprochen. Korruptes Pack! (Irgendwann später fielen mir ein paar Papiere aus dem Logbuch – unter anderem noch 200 Dinar)
Der Schlag nach Malta rüber war prima, 14-19kn Raumwind, 8-9,5kn meistens, bis dann Nachts der Wind weg war. Die letzten 10h mussten wir unter Motor fahren. Wir haben wieder in der Rinella Bay geankert und sofort einige Bekannte aus Hammamet getroffen. Kleine Seglerwelt.

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