Ägäis Richtung Norden

von | Mai 1, 2026 | Allgemein | 1 Kommentar

Es ist Anfang April, und während manche Segler noch überlegen, wie ‚Saisonstart‘ geschrieben wird, haben wir bereits über 600 Meilen auf der Uhr.

Vom Winterlager in Tunesien, über Malta bis nach Kythira ganz im Süden des Peloponnes. Der Plan ist jetzt, in den nächsten 6 bis 7 Wochen Richtung Norden zu segeln, nach Thessaloniki, denn für Mitte Mai sind Flüge zurück nach Deutschland gebucht, weil wir dann nach Australien weiterfliegen.

Nach zwei Tagen auf Kythira ziehen wir den Anker und fahren Richtung Kap Malea am Festland. Statt des angesagten Ostwindes haben wir Nordost, das heißt, wir müssen gegen den Wind kreuzen. Als der dann auch noch nachlässt und der Motor angeht, schmeißen wir unsere Planung um und fahren nach Diakofti auf der Nordostseite von Kythira, wo wir einen schönen, geschützten Ankerplatz im Sand finden.

Am nächsten Tag hat der Wind auf Ost gedreht, so dass wir Kap Malea anlegen können, aber am Kap selber ist es ungemütlich, Strömung und drehende Winde machen das Leben jetzt nicht unbedingt leichter. Unser Tagesziel heute ist Monemvasia, eine antike Stadt, die auf einer Halbinsel an den Berg gebaut ist.

Die Hafenplätze hier sind kostenlos, und so legen wir mal wieder in einem Hafen an. Wir schauen uns die alte Stadt an, und abends gibt es noch ein Feuerwerk anlässlich des griechisch-orthodoxen Osterfestes am 12. April. Dabei wird die Figur des Judas in die Mitte des Hafens gezogen und dann verbrannt, als symbolische Bestrafung. Zusätzlich gibt es ein Feuerwerk.

Ankerplatz im Norden von Kythira

 

 

Auf dem Weg nach Kap Malea

Der nächste Schlag soll uns nach Kilada führen, wo wir Wolfgang und Mary treffen wollen, zwei Freunde von Düsseldorfer Yachtclub. Aber wieder meinte es der Wind nicht gut mit uns. Erst kommt er aus Ost, was für uns gut wäre. Dann dreht er auf Nord, und wir müssen kreuzen. Als er dann fast eingeschlafen ist, dreht er doch noch mal auf Ost und wir kommen zumindest in die Nähe von Kilada. Eine Nacht in Korakonisia vor Anker, und am Folgetag fahren wir eine Stunde unter Motor nach Kilada, einer großen, recht gut geschützten Bucht. 

Wolfgang und Mary haben hier seit Jahren ihr Winterlager, als Insider lotsen sie uns in den Geheimtipp des Ortes, Douglas 1969

In Kilada gibt es 2 Werftbetriebe, aber beide wollen irgendwie nicht so richtig mit mir reden: Der eine sagt sofort ab (kein Platz), des andere möchte eine Anfrage per Mail, aber stellt sich dann tot. Na gut.
Nach zwei Tagen ziehen wir weiter, nach Porto Cheli, welches auch nur um die Ecke liegt. 

Die Bucht ist nur über eine schmale Einfahrt zu erreichen, und gilt als sogenanntes ‚Hurricaine Hole‘, da es von allen Seiten sehr gut geschützt ist. Ansonsten sagt uns der Ort jetzt nicht unbedingt zu, er ist sehr stark vom Charter geprägt.

Nach einem weiteren Zwischenstopp erreichen wir Poros, eine Insel im Saronischen Golf südlich von Athen. Von Osten kommend erlebt man eine der spektakulärsten ‚Ortsdurchfahrten‘, rechts die Stadt mit Anlegern, links, nur durch rund 200m Wasser getrennt, das Festland. Wir biegen aber noch um die Ecke ab und fahren in Richtung Norden, wo wir in der Nähe des Militärgebietes den Anker auf 6 Meter schmeißen. Sonst ist die Bucht 12 bis 15 m tief.

Viele alte Häuser verleihen dem Ort ein malerisches Aussehen, durch die Nähe zu Athen ist die Insel nicht nur bei Athenern sehr beliebt, auch viele Charterboote halten hier an. Entsprechend ist die Gastronomie ‚gut ausgebaut‘ und ebenso gut besucht. Wir erkunden die Insel und besorgen nicht nur Ersatzteile, sondern stocken auch die Lebensmittel auf.

Um Athen schlagen wir einen großen Bogen, im wahrsten Sinne des Worten.

Es ist wenig Wind, und wir versuchen den Parasailor zu setzen. Aber irgendwie klappt das nicht. Er ist total verdreht, der Segelkopf (das Teil ganz oben) ist durch das Loch mit der Tragfläche gezogen! Wie das? Auf Kythira war der Para zum Trocknen an Deck, und dann zog eine einsame aber kräftige Böe durch die Bucht und hat den Para fast ins Wasser gezogen. Dabei muss es passiert sein. Zum Glück ist jetzt wenig Wind und wir können ihn enttüddeln, bevor er hoch geht.

Wir halten in der Olympia Marina zum Tanken an, danach geht es weiter in die Bucht von Limenas Markopoulo östlich von Athen – und in der Nähe des Flughafens. Wovon wir keinen Gebrauch machen.

Die nächsten Tage geht es nach Euböa rüber, der zweitgrößten griechischen Insel. Von Wolfgang kam noch der Tipp, in Boufalo anzulegen: Eine kleine, geschützte Bucht mit 2 Restaurants, die gerade erst wieder eröffnen. Wir kommen mit drei Engländerinnen ins Gespräch, die auf der anderen Seite der Bucht in einem Yoga Retreat sind und ihren letzten Abend haben. Ob wir sie nicht mit dem Beiboot auf die andere Seite der Bucht bringen könnten, und das Boot, ja, sehr interessant, würde man sich auch gerne nochmal ansehen. Gesagt, getan, einige Gin-Tonic und diverse Tanzeinlagen später schaffen wir dann noch den Absprung zu dem Yoga-Retreat, die Mädels kommen unfallfrei ans Ufer und wir noch auf einen Absacker mit. Yamas! Wir müssen zum Glück nicht um 5 morgens zur Abreise raus….

Leichtwind auf dem Weg nach Euböa

Partytime!

In Eretria lassen wir es etwas ruhiger angehen und machen Kultur – das örtliche Museum.

In Chalkida ist die schmalste Stelle zwischen Festland und Insel – auch wenn es hier keine starke Tide gibt, muss sich alles Wasser durch die Engstelle drücken, was zu einem kräftigen Strom führt. Es ist übrigens die schmalste Meerenge der Welt. 

Die Euriposbrücke wird nur Nachts geöffnet, man muss sich anmelden, 38€ bezahlen und dann ab 2100h auf einen Funkanruf warten. Der genau Zeitpunkt richtet sich nach dem Zeitpunkt des Stillwassers. Nach Mitternacht kommt dann der Anruf, Anker auf, durch die Brücke und links um die Ecke in eine Ankerbucht, um noch eine Mütze Schlaf zu bekommen.

Am nächsten Tag, auf dem Schlag nach Limani, haben wir noch ein besonderes Erlebnis: Eine Kunstflugstaffel übt über dem Wasser, und als Highlight malen sie uns noch ein Herz in den Himmel 🥰 . Limani selbst ist ein zu kleiner Hafen, meist rammelvoll, und am Eingang mit einem Fischerboot blockiert, so dass ich erst gar nicht rein fahre. Ich mache außen an der Mole fest, was aber nur bei absolut ruhigem Wetter geht.

Nach einem weiteren, sehr szenischen Ankerplatz bei Monilia im Nordwesten von Euböa wird es anstrengend: Gegen 20kn Wind und 2kn Strom zwischen Euböa und den Festland hoch kreuzen, eine kurze Welle genau von vorne – das macht wirklich keinen Spaß.

Später können wir in die Bucht von Volos abfallen, der Wind schläft ein und es fängt an zu regnen. Eine willkommene Bootswäsche!

Nach einer Nacht vor Anker geht es Richtung Volos, kein Wind angesagt und plötzlich 30kn aus Nordost – so ist das hier leider andauernd. Das Stagsegel ausgerollt, und plötzlich gibt es einen Knall – der Rollenkasten, die Umlenkung des Falls, ist mal wieder ausgebrochen. Aber diesmal hab ich aufgerüstet und im Vorfeld Monel-Nieten besorgt. Als ich dann im Mast hänge in Volos stelle ich fest – die sind dicker als die ausgebrochenen Nieten (hat Z-Spars wohl wieder gespart), und der Stift ist auch dicker – kann ich mit meiner Nietzange gar nicht drücken…..

Volos ist schon eine richtige Stadt, mit großem Hafen, Uni und allem drum und dran, und einer Historie. Die Argonauten sind hier gestartet, um das ‚goldene Vlies‘ zu holen, man findet entsprechen Statuen und Erklärungen in der Stadt verteilt.

Wir finden ein paar gute Restaurants und treffen den Chef von Sail Aegean um das Winterlager zu besprechen – und er leiht mir auch noch eine große Nietzange. Damit kann der Rollenkasten neu eingesetzt werden, und dem Trip auf die Sporaden steht nichts mehr im Weg.

1 Kommentar

  1. Gerald Pfeifer

    Wunderbare Bilder und spannend erzählt – wie immer. Nur die größte griechische Insel ist bitte … Kreta. 🙂

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