Mitte September geht es wieder nach Griechenland. Zwischendurch habe ich mit meinem Oldtimer (1968‘er Pontiac GTO Convertible) eine Tour über die Alpenpässe gedreht und war 2 Wochen in Indien auf einer Konferenz.
Das Boot steht noch warm und trocken in Leros, aber unter einer gefühlt zentimeterdicken Dreckschicht. Es geht wieder ins Wasser, noch einen Tag im Hafen (zum putzen) uns dann vor Anker in Lakka Bay/Leros. Und jetzt kommt der schwierigste Teil: Die Genua setzen. Der Hafen verlangt von allen Booten, die an Land gehen, dass die Genua abgenommen wird. Neel hat kein klassisches Genuafall (die Leine, an dem man das Segel hoch zieht), sondern nur einen Vorläufer, der, wenn die Genua gesetzt ist, gerade unten bis zum Mast reicht. Um die Genua abzunehmen hatte ich den Vorläufer also mit einem Stück Dyneema verlängert.
Die Genua vor Anker setzen war erst mal keine schlechte Idee, denn das Boot liegt automatisch im Wind (Ha, ich bin ein Fuchs!). Um ein Segel in einem Profilvorstag hoch zu ziehen braucht man entweder einen Feeder (der richtet das Vorliek in Richtung des Profilvorstags aus – hatte ich nicht) oder einen 2. Mann (hatte ich auch nicht. Auch keine 2. Frau, um Gerüchten vorzubeugen.). Also…Vorliek (Vorderseite des Segels) in die Nut drücken, nach hinten gehen, mit der Winsch hoch ziehen, nach vorne, Segel wieder etwas runter ziehen (weil aus der Nut gerutscht), wieder in die Nut drücken, nach hinten gehen…und so weiter. Nach einer Stunde und vielen Flüchen war das Segel endlich oben. Der Rest (Dyneemafall mit Stopperknoten und weiterem Fall entlasten, Dyneemastropp zum Festsetzen des Vorläufers dran und diesen festziehen, anderes Fall wieder ab) war dann…kleines 1×1.
Route von Leros bis Rhodos
Ziemlich viel Dreck nach 6 Wochen
Noch ein paar Tage vor Anker, dann geht es über Kalymnos (Vlychadia Beach im Süden, sehr nett aber nur 4 Bojen verfügbar, von denen ich die letzte bekomme) zunächst nach Kos. Kardamena, kennen wir schon, einkaufen und Starkwind abwettern. Neu ist, dass der Kettenzähler (Am Steuerstand, mit dem an den Anker runter lassen kann) keinen Mucks mehr von sich gibt. Nach dem Motto ‚Kaputt ist er schon, schauen wir mal nach‘ baue ich ihn aus und schraube ihn auseinander. Und siehe da, in der Elektronik findet sich eine Stelle, die Schmodder angesetzt hat (Feuchtigkeit) und ein Kondensator, der ein Bein in der Luft hat. Den Lötkolben gezückt, und siehe da, es tut sich wieder was. Jetzt noch versuchen das Gehäuse wieder dicht zu bekommen (was eine Schwachstelle bei der Serie ist) und das Teil wieder einbauen.
Der Plan ist, nach Nisyros, einer Vulkaninsel etwas südlich von Kos, zu segeln. Zumindest war das der Plan, bis mir einige Böen mit 30kn in die Segel hämmern, und das bei Vollzeug! Der Leeschwimmer wird ins Wasser gedrückt, der Luvschwimmer hebt ab, das Boot gibt Gas, und ich versuche irgendwie die Segel runter zu bekommen, bevor der Mast von oben kommt. Was auch klappt. Aber bei 30kn Seitenwind in den Hafen von Nisyros, dessen Einfahrt flach ist und den ich nicht kenne? Lieber nicht, ich gehe bei Giali vor Anker, etwas nördlich von Nisyros. Ein ruhiger Ankerplatz, gut geschützt, mit etwas Industrieromantik (ein Steinbruch) und klarem Wasser.
Am Folgetag, bei wenig Wind, nehme ich die drei Meilen unter Motor in Angriff und mache in Nisyros fest. Heck zum Land, Buganker, jemand nimmt die Leinen. Ein kostenloser Liegeplatz 🙂
Mit einem Miet-Scooter geht es über die Insel, den aktiven Vulkan besuchen (eine große Pfanne mit vielen Fumarolen, aus denen Schwefeldämpfe aufsteigen), die Saunahöhle (eine kleine Höhle, aus der heißer Wasserdampf hervor strömt) und weiter an die Westseite, wo der Fährhafen ist und ein toller Sonnenuntergang bei einem Drink ansteht.
Weiter gehts es nach Symi, erst unter Motor, dann unter Parasailor. Die Insel ist in die türkische Küste ‚eingebettet‘, und sie lädt ein, aus der Türkei ‚mal eben‘ rüber zu fahren. Ist aber nicht zu empfehlen, die türkische Küstenwache ist bei sowas recht unentspannt.
Zwischen der Hauptinsel Symi und der kleinen Insel Nimos im Norden ist eine schmale und flache Durchfahrt. Ich lasse einfach mal den Parasailor stehen, wie erwartet nimmt der Wind etwas zu (von 10 auf 15 Knoten) aber bleibt auf West. Nur nach der Durchfahrt ist er – wie erwartet – weg, also Segel runter, Motor an und in der Nachbarbucht (Pedi) auf 10m Wassertiefe den Anker geschmissen. Es ist Ende September, und schon entsprechend wenig los. Immerhin hat das Restaurant noch offen, wenn auch spät.
Symi Stadt und Pedi
Traumbucht: Panormitis
Deutlich mehr los ist auf Rhodos. Der Ankerplatz im Norden, direkt vor der Altstadt, ist ideal gelegen, nur um die Ecke mit dem Beiboot und man ‚ist drin‘. Die Aussicht auf die 2-3 Kreuzfahrtschiffe am anderen Kai läßt aber die schlimmsten Befürchtungen Wirklichkeit werden: Die Stadt ist knallvoll, ein Gedränge und Geschiebe an dem üblichen Touristen-Retail vorbei. Muß ich das haben? Nun wirklich nicht.
Leider ist der Rest von Rhodos auch nicht so der Knaller: die gehypte ‚Anthony-Quinn-Bay‘ bietet einen Marsch trockenen Fußes über die Bucht, so voll ist es dort mit Schwimmern, kleinen und großen Ausflugsbooten. Die Bucht von Lindos ist da schon schöner, ein seht geschützter Ankerplatz, aber auch knallvoll. Und die Stadt ist ähnlich überlaufen wie Rhodos-Stadt.
Also warten bis die Bordfrau mit dem Flieger ankommt und nach einem unangenehmen (wegen der Welle) Schlag gegenan zurück nach Symi, ankern neben dem Hauptort. Auf 28m Tiefe. Alle Kette raus die da ist.
Ja, auch der Hafen von Symi ist touristisch. Etwas weiter hinein verläuft es sich aber. Abgesehen von den weiteren einsamen und ruhigen Buchten der Insel. Ich wäre fast wieder zu einer Bordkatze gekommen – ein kleiner grauer Kater läuft am Hafen rum, recht schüchtern, ein Auge scheint infiziert zu sein. Angesichts der Reisepläne für 2026 – Australien, Chile, beides ohne Boot – belasse ich es bei füttern.
Irgendwann heißt es dann ‚Anker auf‘ – und wir haben ein Problem: Ein zylindrisches Teil aus Metall, ein Meter lang und 20cm im Durchmesser kommt mit hoch, die Kette hat sich drumherum gewickelt. Also ab ins Wasser, die Kette von unten vorsichtig abwickeln, und plötzlich rauscht das Teil in die Tiefe. Noch ein Anlauf, und wieder jault die Ankerwinsch: Diesmal hängt eine Kette am Anker, mit handtellergroßen Kettengliedern! Also nochmal ins Wasser, die Kette mit einem Tampen sichern, den eigenen Anker lösen und hochziehen – und nun? Ich ziehe das Geschirr vorsichtig in die Bucht hinaus und schneide es bei 50m Wassertiefe los. Da ist es hoffentlich keine Gefahr mehr für andere Ankerlieger.
Panormitis im Süden von Symi ist eine sehr geschützte, flache Ankerbucht mit Blick auf das alte Kloster. Klar, auch hier kommen Touristen an, aber die sind am späten Nachmittag wieder weg. Dann hat man den Ort samt kleinem Supermarkt und brauchbarem Restaurant wieder für sich. Das Restaurant hat eine große Karte, aber meist nur eine Handvoll Gerichte im Angebot. Was auch wieder Vorteile hat, weil alles frisch ist.
Es soll kräftig aus Norden wehen in den kommenden Tagen, so machen wir uns auf den Weg nach Südwesten: Die Insel Alimia im Norden von Rhodos scheint guten Schutz zu versprechen: Eine kleine Einfahrt im Westen führt in eine große Bucht, die rundherum von Hügeln umgeben ist. Am Ufer ist ein renoviertes Kloster, das wir uns gerne ansehen wollen. Eigentlich. Aber ich möchte nicht so recht von Bord gehen. Wir sind bei 20-25kn hier eingelaufen, aber die Bucht bietet wenig Schutz: Böen kommen von allen Seiten, das Boot wird wie eine Flipperkugel hin- und her geworfen, wie man auf dem Plotterchart gut erkennen kann: Normalerweise bildet der Track einen Kreisbogen um die Ankerposition, aber hier geht alles wild durcheinander. Zumal ich mehrere Anläufe brauchte, bis der Anker im Seegras hielt.
Bevor irgendetwas anderes passiert muss ich aber den Kettenzähler endgültig tauschen. Amanda hat einen Neuen aus Deutschland mitgebracht, das Nachfolgemodell, welches natürlich nicht in den Ausschnitt der alten Gerätes passt. Also Stichsäge raus und ein größeres Loch ins Schiff schnitzen. Zumindest an der Elektrik muss ich nichts ändern.
In der Nacht dreht der Wind und irgendwann jault der Ankeralarm – im Seegras rutscht der Anker. Aber wir sind nicht allein…alle Schiffe müssen in der Nacht den Anker neu setzen. Die Bucht ist ein echter ‚false friend‘ – sieht gut aus, aber ist tückisch.
Bevor wir uns noch einen Tag hier um die Ohren schlagen geht es bei 30-35kn rüber nach Chalki in die Potamos Bay – gut geschützt und Sandboden. Hier machen wir einen Tag Pause, bevor wir langsam in Richtung Kreta segeln – wir sind dort mit ‚La Flaneuse‘ verabredet, einem australischen Pärchen auf Langfahrt.

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