Anfang Juli geht es wieder an Bord, mit vielen Eindrücken und Erlebnissen aus Australien. Und man macht sich klar, wie schön und ungefährlich es hier doch ist: Keine Würfelquallen, keine Haie, und vor allem keine Salties, Salzwasserkrokodile, eines der aggressivsten Raubtiere der Welt. Abgesehen vom Menschen natürlich.
Und genau neben so einer Flachpfeife liege ich gerade im Hafen von Thessaloniki. Bevor wir das Boot hier abgestellt hatten musste ich schon alle Fallen bei ihm wegbinden, weil die geklappert haben. Nun ist jemand an Bord, grüßt nicht, und wie immer stehen die besten Kapitäne an Land: Als ich – gegen den Wind, Heck zum Steg – ablege und das Boot etwas in seine Richtung schwingt, ohne es zu berühren, packt er keinen Fender aus, sondern beschimpft mich auf das Übelste. Sollte also jemand den ‚Silver Surfer 3‘ aus Wien, eine alte blaue Beneteau Oceanis sehen – zeigt ihm den Mittelfinger von mir.
Die drei Finger, so der umgangssprachliche Name der Halbinsel Chalkidiki im Norden der Ägäis, steht auf dem Programm. Ein erster Stop ist an einem Sandstrand namens Epanomi Rumpf sauber machen ist angesagt: Die Alimos Marina ist berüchtigt für ihre ‚Bioaktivität‘, aber das es so schlimm wird hatte ich nicht gedacht: Obwohl das Antifouling neu ist hat sich um den Wasserpass – die oberen 10, 15cm im Wasser – ein dichter Muschelbelag gebildet. Der geht zwar recht gut mit dem Spachtel ab, aber es muss halt getan werden.
In Nea Kallikratia steppt der Bär – war hier im Mai noch alles leer, bekomme ich jetzt gerade noch den allerletzten Platz! Auch die Stadt ist voll mit lokalen Touristen. Ziemlich überraschend ist ein Restaurant in der touristischen Hauptstraße (Speisekarte mit Bildern!) sogar ganz gut!
Witzigerweise liegt ein TransOcean Segler keine 200m entfernt, und so kommen die Beiden, Guido und Ilona, mal auf ein Kaltgetränk rüber, bevor ich mein Beiboot klar hab (Ich sollte über die Anschaffung eines Kajaks, aufblasbar, nachdenken).
Nach 2 Tagen hier vor Anker besuche ich die Bucht von Koufos, die sehr geschützt und ebenso beliebt ist. Ich ankere im südlichen Teil und will Einkaufen, aber – der Motor springt nicht an. Also morgens früh mal eben den Vergaser auseinanderbauen (immer mit dem Risiko, dass ein Teil ins Wasser fällt!) und die Kerzen reinigen, aber es hilft nicht – ich muss rudern. Also halten wir die Wasserwege kurz….später springt er dann doch mal an
Eine weitere Nacht in einer namenlosen Bucht nördlich von Kalamitsi auf der anderen Seite des Mittelfingers später segele ich nach Diaporos Island weiter. Ja, und hier ist die Hölle los: Kleine Miet-Motorboote, 30PS ohne Führerschein (sonst braucht man ab 15PS einen) flitzen möglichst knapp an dir vorbei. Liefern sich ein Rennen (und verlieren) mit Jetskis, zwischendurch noch ein paar Segelboote…ja, muss man wohl mögen. Aber ohne mich.
Ein Schlag über die Bucht nach Stagira Akanthos – tags ein paar kleine Mobos, sonst Ruhe – bevor es bei wenig Wind wieder nach Süden geht, in die Bucht von Sykios. Hier hat man eine hervorragende Aussicht auf den Berg Athos, der den rechten Finger prägt. Ja, der rechte Finger…die Mönchsrepublik Athos, quasi ein religiöser Staat im Staate, mit einige Sonderregeln. Man darf nicht anlegen, Mindestabstand 500m – wenn Frauen an Bord sind 1000m – und Nachts sind Berg und Finger stockdunkel.
Von Sykios aus ist die kürzeste Strecke, den Finger zu runden – 62sm bis nach Ierissos. Meist leider unter Motor, mangels Wind und Gegenstrom, später dann auch mal mit dem Gennaker.
Ierissos ist unspektakulär, erwähnenswert sind die Bootswerften am Strand, und eine angenehm ruhige Nacht – bis der Wind auf Nordost dreht und man genau in der Welle liegt. Also hoch den Anker und aus der Bucht raus kreuzen, nach Olympiada, der Geburtsstadt von Aristoteles. Hier bietet sich natürlich etwas Kultur an, auch wenn es an dem Tage brüllheiss ist.
Um die Ecke, Stavros, ist der letzte Aufenthalt auf dem rechten Finger. Ein beliebter Badeort, recht touristisch, aber mit Supermärkten und, mitten im Trubel, einer sehr guten Gyros-Bude. Hier decke ich mich nochmal mit Lebensmitteln ein, bevor es an die Nordküste der Ägäis geht.
Es ist Sonntag morgen, als ich in Richtung Kavala aufbrechen will, aber….der Anker tut sich schwer. Kein Wunder, er hängt in einem alten Seil, welches sich aber von oben durchschneiden läßt. Bereits das 4. Mal diese Saison, dass der Anker etwas einfängt.
Der Schlag nach Kavala sollte ein Kreuzkurs werden, aber zum Glück bleibt es bei einem Anlieger, wenn auch sehr hoch am Wind. Wie schön dass der Trimaran so gut Höhe laufen kann – nicht im Vergleich zu einem Monohull, aber zu Katamaranen. 45° an den Wahren Wind sind möglich (wenn auch nicht immer sinnvoll): Es ist meist besser man fährt etwas tiefer, aber dafür schneller. Außer natürlich man hat keine Lust auf viele Wenden und quetscht lieber Höhe.
Und so klappt das dann auch teils gaaanz knapp am Land vorbei bis in die Bucht von Neo Peramos, wo ich eine Nacht vor Anker liege. Dann geht es weiter nach Kavala, etwas im Süden der Stadt am Strand vor Anker. In dem kleinen Hafen daneben kann man mit dem Beiboot gut anlegen.
Hier muss ich mich auf die Suche nach ein paar Erstzeilen machen, z.B. ein neuen Schlauch für die Beachräder am Beiboot, ein neuer Wasserschlauch etc.
Ich fahre mit dem Scooter in die Stadt, und denke nach einiger Zeit ‚Warum schmiert der Hinterradreifen so?‘. Weil er einen Platten hat. Wie gut dass ein Fahrradgeschäft nicht weit weg ist (was würde man nur ohne Google Maps machen?). Dumm nur, dass dieses umgezogen ist. Das Schild im Fenster gibt eine Adresse an…1km Fußweg…na gut.
Wer glaubt, eine Küstenstadt sei meist flach, war tatsächlich noch nie in Griechenland: Manche Straßen hier gehen so steil hoch dass die Schweizer Bergdörfer blass werden. Nur dass es im Dorf meist kühler ist als in Griechenland. Als ich dann also vollkommen verschwitzt an der Adresse ankomme ist dort – nichts. Auch zwei andere Adressen entpuppen sich als Niete. Aber ich bekomme wenigstens einen neuen Wasserschlauch in einem Werkzeuggeschäft.
In der Nacht fegt ein kräftiges Gewitter über die Bucht hinweg, durch den Winddreher muss sich der Anker neu setzen – und hält nicht. Vom Ankeralarm werde ich wach, das Boot rutscht in Richtung der Felsen vor der Küste.
Motor an, gegen den Wind fahren, den Bridle (Hahnepot) einsammeln, nach Gehör die Kette ein fahren, mal nach hinten schauen ob das Beiboot noch dran hängt, und dann einen neuen Platz suchen und den Anker einfahren. Ich wüsste was ich lieber täte, mitten in der Nacht im waagerechten Regen….

0 Kommentare