Vogelstation COOGOR

von | Nov. 15, 2025 | Allgemein | 0 Kommentare

Nach der unangenehmen Erfahrung auf Alimia und der windigen Überfahrt nach Chalki – bei der der Rollenkasten der Stagsegels wieder ausgebrochen ist – machen wir uns auf den Weg nach Karpathos. Zunächst mit Parasailor, bis der Wind weiter auf West dreht, dann mit einem Reff und 50% Genua geht es in die Bucht von Ormos Amorphos, die, obwohl sie ziemlich offen ist, erstaunlich wenig Schwell hat. So kann ich den Rollenkasten neu einsetzen, bevor wir mit dem Beiboot an Land fahren. Mitte Oktober ist bereits Nachsaison, und so ist das Dorf ausgestorben. Bis auf ein Restaurant (Stou Manoli), in dem wir gut Essen und hinterher die Sorbets des Chefs durchprobieren müssen. Es gibt wahrlich Schlimmeres…

Der letzte Stop vor Kreta ist die Helatros Bucht im Süden der kleinen Insel Kasos, wo seit Jahren ein gestrandetes Schiff auf dem Strand liegt…eine Warnung dass man nie 100% sicher ist. Wir werden damit heute wohl kein Problem haben, es bläst kräftig ablandig, und der Ankergrund ist gut.

Wir haben einen Anlieger (also hoch am Wind, ohne aber kreuzen zu müssen) auf den 42 Meilen rüber nach Sitia, der Hafenstadt im Osten von Kreta. Kurz vorher passieren wir ein anderes ‚Seezeichen’, den Frachter MN Kostas, der das Flach voll erwischt hat und dort gesunken ist. Eigentlich unverständlich, denn das Flach ist schon seit Jahren dort….

Helatros Bucht auf Kasos

Wir ergattern den letzten Platz an der rauhen Hafenmole von Sitia, schon mitten in der Einfahrt. Es gibt einen leichten Nordwind der uns von der Mole wegdrückt, bei Südwind ist es hier unangenehm. Der erste Hafen seit Nisyros vor einem Monat, und die Mauer schreddert die Fendersocken…

Der kleine Hafen ist mit meist noch kleineren Fischerbooten gefüllt, die Promenade lädt zum flanieren ein, an Restaurants herrscht kein Mangel. Wir bestellen eine Fischplatte für 2, die auch keine Wünsche offen lässt.

Der Hafen von Agios Nikolaios (wie der gleichnamige Ort auf Zakynthos, an den wir schlechte Erinnerungen haben) ist knapp 30sm weiter westlich. Hier hat man uns einen Platz am Ponton versprochen, aber wir müssen dann doch an die Mauer, dafür zum doppelten Preis 🤬. Hilft nichts, ich brauche einen Edelstahlschweißer, denn am Bugbeschlag ist eine Verstärkung gebrochen. Der Hafen organisiert jemanden, wir bauen das Teil gemeinsam aus, und eine Stunde später ist der Schweißer zurück. Der Einbau klappt problemlos, die ganze Geschichte kostet gerade mal 30€!

Am Abend treffen wir Rob und Fiona von der ‚La Flaneuse’ in der Stadt zum Essen. Es wird ein lustiger Abend – wir müssen ja zum Glück nicht noch ins Beiboot – und wir verabreden uns für den nächsten Tag in der Ankerbucht von Ormos Spinalonga, der wohl am besten geschützten Bucht auf Kreta. Hier liegt man auch bei Wind wirklich sehr entspannt!

Wir besuchen gemeinsam die Festung von Spinalonga, die auf einer kleinen Insel am Eingang der Bucht liegt. Die Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, bevor die Venezianer im späteren 16. Jhd dort eine Festung errichteten. Zuletzt (um 1900) wurde die Insel als Leprakolonie genutzt, heute ist sie ein Touristenmagnet. Zum Glück ist die Nachsaison nicht ganz so magnetisch.

Wir mieten einen Wagen, fahren nach Heraklion und besuchen u.a. das archäologische Museum. Die Stadt ist Hauptstadt der Region Kreta und viertgrößte Stadt Griechenlands. Was man so gar nicht merkt. Gut, der Hafen ist groß und wenig einladend, aber das haben andere Orte auch. So reicht uns dann auch erst mal wieder ein Tag Großstadt.

Am nächsten Tag – wir fahren von Spinalonga Richtig Westen – spüren wir, wieso Kreta kein schönes Segelrevier ist: Kreta liegt wie eine Barriere quer von West nach Ost unterhalb der Ägäis. Vorherrschender Wind aus Norden treibt die Wellen vor sich her, die von der Insel reflektiert werden und eine unangenehme, kurze und steile Dünung verursacht. Entsprechend ruppig ist die Fahrt. Wir übernachten auf Dio, nördlich von Heraklion, einer der wenigen Plätze die Schutz vor dem Nordwind bietet, bevor wir nach Rethymno weitersegeln. Hier ist nochmal Hafenliegen angesagt – natürlich wieder in der Einfahrt (‚kein Platz für Multihulls‘) an einer rauhen Mauer. Zum Glück sind ruhige Bedingungen.

Wir bleiben ein paar Tage…eine Schneiderin vor Ort verpasst der Nationalen mal einen neuen Saum und einer Jacke einen neuen Reißverschluss. Und wir machen mit Rob und Fiona den Samaria-Gorge, eine Wanderung durch eine der längsten Schluchten Europas (17km). Mit dem Bus werden wir zum Startpunkt gebracht, der Einstieg ist steil und es geht über Stock und Stein. Für die ersten 6 km brauchen wir 2 Stunden…gegen Ende wird es flacher, an der schmalsten Stelle (die eiserne Pforte) ist die Schlucht nur 3m breit, aber 300m hoch. Im Winter und Frühjahr ist die Stelle unpassierbar – zu viel Wasser.

Wir sind jedenfalls froh dass wir die Strecke bewältigt haben und unten am Meer ein kühles Bier genießen können. Der Muskelkater wird furchtbar sein…..

In Rethymno trennen sich auch unsere Wege: La Flaneuse fährt Richtung Leros zum Überwintern, wir weiter nach Westen, erst in die Marathi Bay und danach nach Chania. Beide Male wieder diese unangenehme, kurze und steile Welle – natürlich gegenan. Marathi ist ein schöner Ankerplatz mit einem kleinen Örtchen, Chania heißt uns leider nicht willkommen: der gesamte Hafen ist wegen Dreharbeiten gesperrt. Wir gehen hinter einer vorgelagerten Insel in Deckung und fahren mit dem Beiboot rein. Etwas touristisch, aber per Saldo schön.

So langsam müssen wir ein Wetterfenster nach Malta erwischen. Es ist ein Südwestwind mit 20kn angesagt, um von Chania nach Kythira im Süden des Peloponnes zu segeln, knapp 60sm: Erst kein Wind in der Bucht von Chania, zum Kap hin dann 30kn mit einer unangenehmen Welle (ach, sind wir auf Kreta?). Im weiteren 25-30kn Halbwind, 2 Wellen steigen von der Seite ein und fluten die Sitzecke hinten. Im letzten Licht fällt der Anker in der Bucht von Kapsali. Eine ganze Bucht für uns allein! Wir bleiben 2 Tage und wandern zur Burg hoch. Ein traumhafter Blick über die Insel, und etwas Probleme, Abends etwas zu Essen zu bekommen: Wegen eines Feiertages sind die beiden verbliebenen Restaurants restlos ausgebucht!

Samaria

Samaria-Schlucht

Am 29.10. gibt es endlich den versprochenen Ostwind, der uns mit Parasailor in Richtung Malta trägt. Zumindest tagsüber. Nachts ist Flaute, der Motor muss ran. Am nächsten Tag haben wir dafür 7-10kn Wind aus Süd, ein traumhafter Halbwindschlag bei flachem Wasser. Nachts nimmt der Wind auf 18-22kn zu, bevor er am nächsten Tag einmal um 360° dreht und dann einschläft. So lassen wir das Boot treiben und bekommen Besuch: Ein kleiner grüner Vogel, wahrscheinlich ein Wiesenpieper (Anthus pratensis), der es sich in unserem Kräutergarten gemütlich macht. Wo kommt der her, so 120sm von der nächsten Küste entfernt? Kurze Recherche: Wiesenpieper sind Zugvögel, die aber auch mal eine Pause brauchen.

Trotz Wasser und Futter ist der Kleine so schlapp, dass er kurz darauf stirbt.

Eine Stunde später bekommen wir weiteren Besuch: diesmal kommen 2 Wiesenpieper – und ein Sperber. Der schaut sich die Situation erst an, und sobald der erste Vogel abhebt jagt er diesen mit einer unglaublichen Wendigkeit. Bis…ja…nur noch der Sperber übrig ist.

Irgendwann kommt dann auch wieder Wind, die letzten 100sm müssen wir durch die Nacht kreuzen, was südlich von Malta auch wieder ruppig ist wegen der Welle.

Am 4. Tag schmeißen wir Anker in St. Julians Bay im Osten von Malta. Eigentlich eine schöne Bucht, man kann gut mit dem Beiboot anlegen, es gibt alles was man braucht (inklusive eines Irish Pub), nur leider verwandelt sich die Bucht über Nacht in eine Waschmaschine: Heftige Wellen laufen ein, nicht nur von den Fähren die vorbei fahren. Die Wettervorhersage wußte wieder von nichts….

Überfahrt nach Kythira

Marineschiff auf dem Weg nach Malta

Bucht von Dwejra auf Gozo

Wir verdrücken uns in den Süden von Valletta, in die Rinella Bay, und treffen sofort wieder auf Bekannte (aus Milos), Helena und Jason. Die Bucht ist gut geschützt, so dass wir ein paar Tage bleiben und in Ruhe über die Insel ziehen können: Ein Guru-Walk bringt uns die Sehenswürdigkeiten von Valletta nahe, mit einem Taxi geht es in den Süden nach Marsaxlokk, ein kleiner Fischerort.

Gozo, die Insel im Norden, ist auch einen Besuch wert: Wir gehen in den Osten in die Bucht von Dwejra, von wo aus man mit dem Beiboot durch einen natürlichen Felsentunnel zu einem Inlandssee kommt. Ansonsten ist die Bucht weder ruhig noch wirklich gut geschützt.

Nach einem Tag setzen wir Abends den Parasailor und schippern nach Licata rüber. Das geht auch sehr entspannt bis rund 10sm vor Italien. Da dreht der Wind plötzlich durch und nimmt auf 30kn zu – wir sind mitten in einem Gewitter. Im strömenden Regen und nur mit Genua geht es in den Hafen, wo wir erst mal provisorisch anlegen, bevor wir nach dem Gewitter an den richtigen Liegeplatz fahren. Und direkt neben einem Bruder der Küste aus Belgien festmachen.

In Licata gibt es eine größere Winterlieger-Community, und Eva (TransOcean) hat freundlicherweise die Ladung Coppercoat für mich angenommen – das gibt es in Tunesien, wo es im Winter verarbeitet werden soll, nämlich nicht. Der Ort hat einiges zu bieten, kurze Wege bis zum Supermarkt, nette Kneipen und Restaurants (Achtung, Happy Hour!), nur leider auch astronomische Preise: 180€/Nacht. Im November! So bleiben wir trotzdem drei Nächte um auszuklarieren, und legen uns dann neben den Hafen vor Anker. Dank leichter Winde von Nord und West sehr ruhig und entspannt.

Wir nutzen den ‚Black Friday‘ um die Ausrüstung zu komplettieren: Neben einem Airfryer kommen auch zwei Elektroscooter an Bord. Die etwas kleinere und leichtere Ausführung, damit man sie noch in das Beiboot heben kann. Dass ‚Jeep‘ draufsteht war eher Zufall (obwohl ich fast 30 Jahre Jeep gefahren bin)

Dann kommt das erste Wetterfenster, welches einigermaßen passt – wenn auch nicht zur Vorhersage. Erst flaches Wasser mit Groß und Gennaker bei Nordost, später dann auf Süd drehend und bis 24kn zunehmend. 2 Reff u Stagsegel, Welle schräg von vorne – ein nasses Vergnügen.

Gegen 13:00h legen wir am nächsten Tag in Hammamet an. Polizei und Hafenmeister sind kein Problem, der Zoll an sich auch nicht, bei der Inspektion des Bootes fragen sie aber ganz frech nach ‚Geschenken‘. Das soll man ja nicht fördern, aber ein offensichtliches ‚Nein‘ ist auch nicht diplomatisch. Ich finde eine Miniflasche Killepitsch, die sie dann aber ablehnen. Nun denn.

Wir sind jedenfalls rechtzeitig für die ‚Happy Hour‘ Abends fertig, zu der uns die Winterlieger direkt mitnehmen. Das Boot bleibt bis Februar/März hier liegen.

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